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anlässlich der Verleihung des
Freiberger Kunstförderpreis
(in Papier und Stretchfolie verpackter
und mit Speditionsaufklebern gekennzeichneter Altar, teilweise noch (Export)
oder wieder erkennbar (Reimport))
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["Schallend von der Kanzel,
einem Muezzin zur Gebetszeit gleich, ertönt das langatmige "Ex-ReIm-Port".
Heerscharen Profitgläubiger verbeugen sich vor dem Jahreshoch der
Aktienkurse. "Ex-ReIm-Port" - wie eine Beschwörungsformel
der neuen ökonomisierten und liberalisierten Welt. Man stelle sich
den nadelgestreiften Broker auf seiner Börsenkanzel vor, der seiner
Anlegerherde die werteschaffenden Moralkürzel schallend predigt:
"Ex-ReIm-Port". Die zinsgeile Herde murmelt gripslos und kanonartig
nach: "Ex-ReIm-Port". Nicht wissend, zu wessen Lasten der Überschuss
erzielt wird.
Globalisierung heißt zunächst Bewegung und freier Handel mit
allem und jedem. Egal ob althergebrachte Kulturgüter samt traditionellen
Werten oder billige Nutten aus der Ukraine. Die Sklavenarbeit afrikanischer
Erntehelfer für den deutschen Salat (aus Spanien) übertrifft
dann eben in seiner zugrunde liegenden, grotesken Gier nur noch die hastig
zusammen getackerte Kopie abendländischer Handwerkskunst aus China.
Container-Flotten durchkreuzen die Ozeane und liefern just in time.
So könnte ich Zeile um Zeile aus dem Weltgeschehen
zitieren und doch änderte sich nichts. So könnte ich Blatt für
Blatt mich hinein fressen in eine mich selbst belügende Kapitalismuskritik,
ausgefeilte Verschwörungstheorien und agitatorische Utopien. Zu tiefst
am eigenen Ich vorbei, vorbei an den mich umgebenden Menschen und vorbei
an der Seele der Welt. Zeile für Zeile und Blatt für Blatt ein
weiteres Stück Sinnlosigkeit. Denn wir selbst sind Übel und
Heilung zugleich. Deswegen hält die Installation mit dem gesungenen
Titel "Ex-ReIm-Port" mehr bereit als nur das platte "Schaut
her, wie schlecht die Welt ist!"
Natürlich lässt sie viel Spielraum für die eigene Interpretation.
Man könnte jede Menge Stichworte fallen lassen, wie: [Zur Ware
verkommene Religion --- Untergang und Wiederaufstieg kirchlicher Institutionen
im ehemals (parteilich bestimmt) atheistischen Osten Deutschlands ---
Globalisierung und prinzipienlose Billig-Herstellung aller Güter
in China --- die, mitunter gelungene, Kopie abendländischer Kultur
als gut verpacktes Schiffsgut aus Fernost --- hiesige Handwerkkunst zunächst
als Export dann, nach dem Untergang, als Import-Artikel --- Einstauben
im Sinne von Verpacken und Ablegen --- Überflüssig gewordenes
wird in 1-2-3-meins-Menthalität bei ebay verhöckert --- neue
Zeiten verlangen neue Marketingstrategien, denn die altgediente Symetrie
mit seinem Imposantem überzeugt heute keine Multimedia-Kids mehr
vom Worte des Herrn oder einfach nur ethische Grundsätze --- Reimport
zurück aus dem Ausverkaufslager hinein ins Museum --- portable Containerkirchen
in afghanischen Feldlagern samt Glaubenswidersprüche] und endlos
so weiter. Stichwörter als nicht formulierte Fragen einer globalen
Momentaufnahme.
Jedoch, ich weiß die tiefere Bedeutung mit allen Antworten nicht
und will diese auch gar nicht wissen. Was trieb mich dazu, diese Installation
genau so, wie sie hier zu sehen ist, zu erschaffen. Stundenlange Dokus
auf Online-Kanälen oder das Gejammer von unbefriedigten Konsumschäfchen
nach der Rabatt-Schlacht. Egal, woher die Installation stammt: Interessant
ist, wohin die Offenheit der Fragen den Betrachter führt.
Zunächst sind es nur Fragen, die ich für Sie aufwerfen darf?
Alles nur Fragen, keine Antworten. Doch in der Kompression all jener Fragen
in einem einzigen Objekt liegt eine große Kraft verborgen, die entgegen
meiner Weltverbesserer-Agonie doch noch gewaltige Macht enthält.
Terminologisch ein Desaster an dieser Stelle von Gewalt und Macht zu sprechen.
Revolution, Krieg, Tod, Zerstörung und Korruption liegen darin verborgen.
Veränderungen waren in der Vergangenheit meist genau davon flankiert.
Die Gefahr jener Kompression ist es eben auch missverstanden zu werden.
Ich meine jedoch etwas Nachhaltiges. Einen Wandel. Und Fragen sind dafür
schon die erste Veränderung.
In unserer Zeit der rasanten Veränderungen werden
leider viel zu wenige Fragen gestellt. Fragen nach dem Wohin und Warum.
Fragen, die sich viele nicht mehr trauen zu stellen, weil das Menschsein
heute oft gleichgesetzt wird mit fraglosen Funktionieren im "Mehr,
Mehr, Mehr".
Wer nicht mehr oder noch nicht funktioniert oder die falschen Fragen stellt,
der wird dann meist mit den Grenzen der Freiheit konfrontiert. Wahrscheinlich
auch deswegen enstand dies hier. In meiner Arbeit ist das Fragenstellen
noch erlaubt und geradezu erwünscht. Die Kunst vermag noch freie
Fragen aufzuwerfen, weil diese heute zunächst oft denn Freiraum "Kunst"
brauchen. Doch diese Fragen erhalten nur einen Sinn, wenn die Menschen
sie durch das Überangebot an Zerstreuung und Belanglosigkeit wahrnehmen
können und noch nicht auf alles eine fertige Antwort haben.]
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