Galerieinfo
Die Ausstellung "autochronologische Obduktion" zeigt neue Arbeiten der
Künstler Jens Ossada und Michael Goller.
Beide Künstler tangieren stark
biografisch die Region.
Beide bewegen sich in ihrem mittlerweile formell und
inhaltlich ausgereiften Schaffen im Spannungsfeld zwischen bildnerischem und
textlicher Aussage.
Ein ständiger Dialog zwischen den künstlerischen Medien
und zwischen den Künstlern, der sich bereits über einen mehrjährigen Zeitraum
erstreckt.
Die dialogische Lesung zur Vernissage am 14.10. um 20.00 Uhr in
der Galerie am Anger möchte mit einem ebenso authentischen wie experimentellen
Ansatz diesem Spannungsfeld gerecht werden.
"Michael Goller malt und textet, textet
und malt. Manchmal nebeneinander her, oft aber ineinander. Er mag der Getriebenste
und Rastloseste sein unter den Querschlägern, bei dem Selbstzweifel und Höhenrausch
eng beieinander liegen.
Seine Malereien sind ornamental,
expressiv und erzählerisch in einem, sie mischen Comicelemente mit abstrakter
Farbmagie, wollen verstören durch inhaltliche Direktheit und dabei reine Kunst
bleiben. Ein realitätswacher Träumer, assoziativ Umschreibender, der Kosmen
durch Poesie bannen will. So hoffen seine Bildtitel zB von der Versklavung des
Schöpfers durch die Erlösung des Geistes und der Materie, was auf dem Bild wie
labyrintische Verwirrung anmutet. Immer wieder werden Wörter und Sätze den
Malereien eingeschrieben, meist nicht mehr zu entziffern nähern sie sich
Hieroglyphen an. Verqueres Zeitrauschen, in dem sich Perspektiven verkehren,
Räume durch Farbflächen verschlossen werden, Figuren und Tiere zeichenhaft
irgendwo in den Bildschichten steckenbleiben, Fußtritte sich breitmachen und
Hände verschwinden. Ab und an aufgeklebte, aufgemalte Din-genormte Rechtecke wie
eine kühl einbrechende Gegenwart in sein schöpferisches Chaos, mit einem anderen
Code der Verständigung. Doch Michael Goller bleibt erdverbunden, wie mit dem
nutellaverschmierten Mund oder dem Gespräch mit Teebeutel. Ironie und Hintersinn
allemal, das Poetische eher die dahinter verborgene Welt. Auf alle Fälle
Malereien, die sich aus ihrer sinnlichen Substanz heraus selbst zu einem
Gegenpol der kalt sentimentalen Warenästhetik machen." Dr. Ina Gille,
05/2005
"Die Skulpturen, die Jens Ossada in Flöha zeigt, synthetisieren
Konstruktivistisches mit auflodernden Emotionen, die sich jedoch nicht zu einer
zerstörerischen Rebellion überreden lassen, sondern der Gestaltung den Vorrang
geben.
So haben die weitgefächerten Systemkritiken selbst wieder System und
sind nach analytischer Zerlegung in legosteinhafte Einzelteile wieder
Grundbestandteil eines positivistischen Weltbilds.
Dabei geht Jens Ossada den
bewussten Weg durchs Material, in einer Zeit erzwungener und gespielter
Transzendenz durchaus keine Selbstverständlichkeit.
So spricht das Material
ebenso wie die eigenständig dazu stehenden Texte "vom Umbau des Wesentlichen"
und bauen dabei das Wesentliche wesentlich um." Mike Wassermann 10/2005
Pressestimme
Aus den Tiefen des Seins
Werke von
Jens Ossada und Michael Goller in der Galerie am Anger
Flöha. Eine „autochronologische Obduktion“ war zu Ausstellungseröffnung am
Freitagabend in der Galerie am Anger angekündigt und dazu gabs in der
Einladungskarte einen Gummihandschuh. Doch wer Blutrünstiges vermutete, war auf
dem Holzweg: Er versinnbildlichte lediglich den einzigen gemeinsamen Text der
beiden Künstler Jens Ossada und Michael Goller, den sie an diesem Abend im
Wechselspiel unterm Gebälk der alten Weberschen Fabrik lasen – „Der
Handschuh“.
Doch auch ohne Handschuh drangen sie mit ihrer „dialogischen
Lesung“ ins Innere des Menschen vor. Denn wer eigene Lyrik liest – und das taten
der Mittweidaer und der Chemnitzer – der kehrt gewissermaßen sein Innerstes nach
außen, zumal, wenn es solche Lyrik ist, die eigenen Befindlichkeiten in der
Reibung mit der Außenwelt nachspürt und das in äußerst verknappter Form, voller
Bildern, deren Sinn sich dem Außenstehenden beim einmaligen Hören nur schwer
erschließt. Aber schließlich sind die Autoren Maler – von Michael Goller kommt
in diesem Monat der „Weltrettungsthriller“ „Das Malbuch“ heraus.
Zu sehen
gab es in der Ausstellung neueste Werke: hintergründige große Holzskulpturen von
Ossada, Ölbilder und Zeichnungen von Goller. Und gerade auf denen spielt Schrift
eine wichtige Rolle: rätselhaft, lasziv, verwirrend. Schade nur, dass die
Ausstellung nur ein Wochenende zu sehen war. Denn es braucht oft Zeit, um den
Schlüssel zu den Werken zu finden.
(Gudrun Frohmader, Freie Presse)