Quadrate und Würfel. Die Lebensvision von Jens Ossada
Bald öffnet die erste Ausstellung des jungen deutschen Künstler Jens Ossada in den Niederlanden. Er gehört zu der besonderen Kategorie von Künstlern, die sich nicht auf eine Disziplin beschränken, sondern in verschiedenen Bereichen der Kunst zu Hause sind. Er will seine eigene Vision des Lebens in Gedichten, Materialbildern und Skulpturen zeigen. Dabei konzentriert er sich auf die Entwicklung von Originalität im Denken und Handeln. Als Ergebnis entsteht eine sehr vielfältige und unerwartete Kunst.


Originalität als Voraussetzung
Ich wage mich nicht an eine Definition von Kunst. In der zeitgenössischen Kunst passt sicherlich keine allgemeine Beschreibung. Doch ich glaube, dass Originalität eine Voraussetzung für Kunst ist. Nun ist es für einzelne Menschen fast unmöglich ein Original zu sein. Der Mensch ist ein soziales Wesen, der seinen Nutzen aus einer klaren Kommunikation auf der Grundlage des gegenseitigen Verständnisses zieht. Wir verwenden Sprachen oder tun dies durch andere Mittel auch in der Phantasie des Geistes. Aus diesem Grund nutzen wir meist eine verständliche visuelle Sprache. Aber die Sprache der Menschen dient nicht nur der Kommunikation, sie schränkt ihn auch ein und behindert ihn in der Entwicklung seiner Originalität. Um eine originelle Art von Phantasie zu erreichen, ist daher eine eigene Bildsprache notwendig.


Vergleiche und Unterschiede
Jens Ossada ist nicht der Erste wäre die Schlussfolgerung. In der Geschichte der Kunst gibt es mehrere Beispiele von Künstlern, die eine ganz eigene Formensprache entwickelt haben. Einige sind in rein rationaler Art und Weise ans Werk gegangen. Zum Beispiel Stanley Brouwn, einer der beständigsten konzeptionellen Künstler unseres Landes, beschränkte sich jahrelang auf das Erfassen seiner eigenen Spuren. Bei Ausstellungen zeigte er auf Wänden, in Vitrinen, auf Karten und in Archivdosen seine eigenen subjektiven Größen, die für ihn als objektive und griffige Längeneinheiten galten. Darüber hinaus stellte er in endlosen Wiederholungen gemeinsam die Länge von einem Meter und einem Schritt dar.

Andere Künstler gingen dagegen sehr persönlich ans Werk. Für die deutschen Künstlers Joseph Beuys war ein traumatisches Ereignis entscheidend für seine Kunst. Im Jahre 1943 stürzte er als Pilot in Russland ab, wo dann die Tartarenbevölkerung ihn unter den Trümmern gefunden hat. Er wurde in einem Zelt mit Fett und Filz eingeschmiert und mit Lumpen umhüllt. So blieb er am Leben. Seitdem bilden Filz und Fett wiederkehrende Elemente in seiner Arbeit. Mit Fett blickte er auf ein neues Gleichgewicht zwischen Denken und Fühlen. Wenn es warm ist, ist es weich, formlos, chaotisch und stand in seiner Wahrnehmung entsprechen für Gefühl. In kalten Bedingungen ist es fest, solide und konstatierte für ihn die Phantasie und den Intellekt.

Zwischen diesen Extremen stellt die Arbeit des Schweizers Paul Klee eine harmonische, mittlere Position dar. Es enthält alle möglichen Begriffe, die mit dem Schreiben: Sprache, Zeichen-, Bild-, Bildschrift usw. zu tun haben. Sie sind visuelle Elemente aus fremden Kulturen, von der Dekoration in der primitiven Kunst, von den Kindern oder aus Klees eigener Phantasie. Er nutzte sie zur Gestaltung seiner mystischen Ansichten. In dieser Hinsicht ähneln die poetischen Ideen von Klee den Ansichten von Jens Ossada.


Das visuelle Alphabet von Ossada
Im Leben Ossadas zeigt sich die Vielseitigkeit des Wesens „Mensch“ in sieben verschiedenen Konstitutionen. Er nennt sie nacheinander Schöpfer, Phobiker, Kategoriker, Egoist, Sozius, Hedonist und Suchender. Diese Wesenszüge bevölkern seine Welt. Die Materialien, aus denen diese Welt gebaut wurde, gliedert Ossada in vier Quadranten. Die vertikale Achse ist durch die Pole “Material” und “Bewusstsein” begrenzt und die horizontale Achse reicht von “Freiheit” und bis “Geometrie”.

Das visuelle Vokabular, dessen Ossada sich bedient, erstreckt sich von Materialien über Zahlen und geometrischen Formen bis zu Artefakten, jedes mit einer eigenen Bedeutungen. Holz besteht in seiner Wahrnehmung aus lebender Materie - warm, organisch, einschließlich der natürlichen Unregelmäßigkeiten, ein Symbol für Lebewesen und Verwundbarkeit. Metall und Beton symbolisieren die tote Materie, Härte und Kälte. Die Zahl 9, die größte einzelne Zahl, sieht er als Symbol für die Massenproduktion. Die Schraube und das Schwungrad für die mechanischen Betriebsamkeit. All diese Konzepte münden bei Ossada in spitze Gedichte quadratische Bilder und kubische Plastiken, womit er die heutige conditio humana zu zeigen versucht.

So gibt Ossada seiner Welt Bedeutung und seinem Denken und Handeln die Richtung. Für den Künstler ist von entscheidender Bedeutung. Aber, ist es für die Wertschätzung seiner Arbeit wichtig, dass sein Publikum dieses Leben versteht? Ich glaube nicht. Wie auch in den poetischen Bildern von Paul Klee ist es nicht störend, wenn wir nicht sofort verstehen, was die genaue Aussage von Ossada ist, denn der geschlossene Charakter seiner Arbeit gehört zu seinen wichtigsten Qualitäten. Es verleiht seinem Werk eine schwer fassbare aber solide Struktur. Die Objekte und Gedichte von Ossada führen Sie in eine Welt, wo Sie als Zuschauer zunächst unwissend sind, aber diese Welt Ihnen nicht unbekannt ist. Auch wenn Sie nicht alles verstehen, können Sie sich doch zu Hause fühlen.

Aus dem Niederländischen vom Kunsthistoriker Drs.Jaap Versteegh
Ausstellung “Das Wesen Mensch” von Jens Ossada
Zeitraum: 12. Oktober bis 9. November 2008
Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr
Ort: Galerie “Het Gemaal van Asperen” (Organisatie Land en Beeld), Oude-Zuiderlingedijk 12 te Asperen
Info: http://www.landenbeeld.nl