29. August - 02. November 2008 Burg Mildenstein/Leisnig Kuratorin: Kunstwissenschaftlerin Karin Weber (Galerie Mitte in Dresden) |

Maß genommen - Maß gehalten Wenig Überraschendes bei der Ausstellung des Kunstraumes Mittelsachsen in Leisnig Leisnig. Der Kunstraum Mittelsachsen geht auf den Kulturraum Mittelsachsen zurück und ist, wie der Name schon sagt, ein künstlicher Raum. An den erinnert eine Ausstellung auf dem Boden der schön restaurierten Burg Mildenstein in Leisnig unter dem Motto "Das Maß der Dinge oder Maßnehmen". 27 Künstlerinnen und Künstler aus den ehemaligen Kreisen Döbeln, Freiberg und Mittweida stellen dazu Malerei, Grafik, Objekte, Fotografien und Skulpturen aus. Eine Kunstlandschaft also, eine künstliche Landschaft mit einem künstlichen Motto, zu dem alles und nichts passt. Zwar fragt Kuratorin Karin Weber scheinbar ratlos im Katalog, ob es nicht "notwendiger denn je (sei), sich inmitten täglicher Rast- und Maßlosigkeit nach dem persönlichen Maß der Dinge zu fragen" - aber wann wäre das nicht "notwendiger denn je" gewesen? Und ob es nicht notwendig sei, "menschenwürdige Visionen (zu) entwickeln, die sozialer Gerechtigkeit huldigen"? Tja, könnte schon sein... Angesichts so vieler gutmeinender Fragen, die sich selbst beantworten, wollten auch die Künstler nicht nachstehen und haben sich allerlei Sätze zum Thema abgerungen, deren originellster der von Torsten Ueschner ist: "Das Maß der Dinge ... 21 cm." Dicht gefolgt von Uwe Schwarz: "Das Mittelmaß ist das Maß aller Dinge." Die Kunst ist nicht so banal wie ihr Motto. Da trifft man alte Bekannte wie den Frauensteiner Maler Carsten Gille, dessen Bilder eine stille, stolze Melancholie ausstrahlen, ebenso wie die des Altmeisters Will Schestak. Willy Günther aus Freiberg, dessen expressive Landschaften immer wieder eine Freude sind. Leo Lessig, dessen armenische Gemälde so berühren, wie den Maler die Geschichte des armenischen Volkes berührt hat. Unter den jüngeren Malern fallen eben jener Torsten Ueschner mit seinen farben- und lebensfrohen Akten eben so auf wie T. M. Rothschönberg, der Reisebilder aus Marokko zeigt, und Franziska Kunath, deren Gemälde oft mit dem Chaos spielen. Günther Böttgers Sand-Assemblagen sind ästhetisch reizvoll, Volker Beyers Kompositionen aus gebrauchten Hölzern verschmelzen Geschichte zu einer neuen Gegenwart. Formal und auch inhaltlich ungewöhnlicher arbeiten der Komponist Wolfgang Heisig, der Klänge und Töne visualisiert, Holger Koch, der skurrile Objekte baut, Uwe Schwarz, dessen Installationen oft Bezüge zur Technisierung und zum antihumanistischen Kältestrom in der Welt haben, und vor allem Jens Ossada, der - manchmal etwas über-intellektualisiert, aber erfrischend originell und vielseitig - seine Welt im Kopf abbildet. Die letzteren beiden gehören auch zu den wenigen Künstlern der Ausstellung, die sich unmittelbarer mit Gegenwart auseinandersetzen, deren Arbeiten Wut, Trauer und Widerstand anzumerken ist, ohne deshalb platt für eine "etwas bessere Welt" plädieren zu müssen. Dies tut auch Bernd Steinwendner nicht, dessen "Angst"-Bild am Eingang mehr verspricht, als die Ausstellung dann hält. Eine rührende Geste: Mit zwei feinen Miniaturgemälden erinnert die Schau an den kürzlich verstorbenen Günter Hofmann und mit einer Radierung an seinen Freund Karl Fischer. Fazit: Die mittelsächsischen Künstler haben noch einmal Maß genommen, die Ausstellung hat vor allem Maß gehalten - der nächsten ist mehr Maßlosigkeit zu wünschen. Die Ausstellung Kunstraum Mittelsachsen: Maßnehmen oder das Maß der Dinge - Malerei, Grafik, Skulptur. Bis 31. Oktober. Burg Mildenstein, Leisnig, Kornhausboden. Geöffnet Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag 10 bis 18 Uhr. Von Matthias Zwarg |