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Ausstellung |
"Zwischenraum" 19. Juni - 25. Juli 2010 in der Turmgalerie im Schloss Augustusburg |
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| Vernissage 19. Juni 15.00 Uhr Laudation: Karin Weber (Kunstwissenschaftlerin/-kritikerin Galerie Mitte Dresden) Musik: Steffen Härtel (Thirty Hours) Gitarre In der Konzeptarbeit "Zwischenraum" beschäftigt sich ossada seit 2008 mit den verschiedenen Intentionen von Zwischenräumen. Da uns Zwischenräume auf chronologischer, räumlicher, emotionaler und vielen anderen Ebenen begegegnen, erscheint die Klassifizierung dieser in Trennung, Verbindung, Spannung, Verlust, ... ein um so schwierigeres Unterfangen. Ossada versucht mit der Konzeptarbeit ein Denkmodell zu erstellen, welches dem Betrachter hinter den modellartigen Plastiken neue, grenzüberschreitende Perspektiven eröffnet. Modellartig so auch unser bisheriges Wissen? Erfahren Sie mehr in der Ausstellung "Zwischenraum" vom 19. Juni bis 25. Juli 2010 in der Turmgalerie im Schloss Augustusburg. Gezeigt werden zumeist neue, bisher unveröffentlichte Arbeiten der Werkgruppe. Ebenfalls wird das Buch zur Konzeptarbeit erstmalig erhältlich sein. |
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Die Konzeptarbeit "Zwischenraum" |
Trennung und Verbindung, Auflösung
und Streben, Inhalt und Zerstörung, ["Lassen die Intentionen der ausgeformten Zwischenräume verschiedene Klassifikationen zu? Erst einmal sensibilisiert für das Thema wurde mir auch dessen Universalität klar, denn ich bezog die Dimensionen Zeit, Raum, Emotion, etc. in die Betrachtung ein und mir wurde klar, dass wir von sehr vielen Zwischenräumen umgeben sind. Viele dieser Lücken werden als solche nur nicht wahrgenommen, weil sie als Zustand gelten, obwohl sie eher stetige Veränderung zu einem Zielzustand hin bzw. von einen Urzustand weg sind. Zwischenräume zwischen [Jetzt und Später] oder [Hier und Dort] oder [Denen und Uns] zeichnen sich so in vielfältiger Weise ab. Diese Konzeptarbeit ist eine recht eigenwillige Bearbeitung von interdisziplinärem Inhalt, aber gleichzeitig eine neue Perspektive auf Gemeinsamkeiten von sehr unterschiedlichen Dingen, wie konsumistischem Streben, blutigen Stacheldrahtgrenzen und unfreiwilligen Anpassungen. Neue, ungewöhnliche Einteilungen sollen dem Betrachter die Modellhaftigkeit allen bisherigen Wissens aufzeigen. Interpretatorische Verweise der Plastiken auf weltpolitische Zerwürfnisse, Werte-Aushöhlung, über psychologische Tiefen, Dunkelräume, bis hin zu gesellschaftlich-demographischen Wandel oder gar Mittelschichtenschwund wären möglich. Nur will ich selbst mit dieser Werkgruppe nicht so weit gehen und den Realbezug dem Betrachter überlassen. Denn ich bin überzeugt, dass er von dieser neuen, zunächst neutralen Perspektive profitieren wird."] |
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Laudatio Karin Weber (Kunstwissenschaftlerin, Galerie Mitte Dresden) 19.06.2010 |
["Meine sehr verehrten Damen und
Herren, Unbestechlichkeit in der Formfindung und bildnerischen Aussage, Kritikfähigkeit, das Talent zur Reduktion auf Wesentliches, spielerische Experimentierfreude und vor allem leidenschaftliche Besessenheit sowie innere Anteilnahme kennzeichnen ihn ebenso wie ein Streben nach Harmonie und diese wunderbare Wandlungsfähigkeit, ohne sich selbst zu verleugnen. Sein Anspruch ist es, “Erlebnisräume” zu schaffen, die gleichzeitig “Erlebnisfallen” sind. Das heißt, er bringt sich immer persönlich ein, seine eigene Weltsicht und Lebenserfahrung, verbunden mit dem Willen Kunst und Leben zu verbinden, mit dem Respekt vor elementaren Naturerscheinungen und dem MUSS Poesie mit dem Alltag zu verknüpfen. Das ist eine wunderbare Form von Humanismus in einer Gegenwart unmenschlicher Auswüchse. Er besitzt, das konnte ich beobachten, ein ausgesprochen gutes Gefühl für den Eigenwert von Kompositionen, für das Assoziationspotential von Bildzeichen, die in ultimativ-verknappter Kombination zu Sinn-Zeichen verwachsen, die man so schnell nicht wieder vergißt. Sein Gestaltungswille ist geprägt von experimentellem Phantasiereichtum, von Strukturen, Rhythmus und Bewegtheit nach innen und außen. Hartnäckig und selbstbewußt hat er sein Ziel, Kunst im öffentlichen Raum erlebbar zu machen, verfolgt. Er ist ganz einfach ein mitreißender Unruhestifter, von denen es leider zu wenige gibt. Und er ist ein Perfektionist im positiven Sinne des Wortes! Einer, der sein Thema nach allen Seiten abtastet, um DIE Variante zu finden, die eine intelligente Aussage mit eigenem ästhetischem Wert transportiert. 1978 geboren, hat er bereits 17jährig Aufträge für Malerei und Wandreliefs ausgeführt. Er hat Human-Medizin mit Kunstablenkung an der Uni in Leipzig studiert und sich dann für Werbung und Gestaltung selbständig gemacht. Er ging nach Stuttgart, um ein privates Grafikstudium aufzunehmen und dort als Werbegrafiker und Konzepter zu arbeiten. Er bereiste mit einem Atelierboot Europa, um in Mittweida zu landen und in Ehrenberg, im eigenen Refugium endlich zu wurzeln, wo er einen Skulpturenpark wachsen läßt. In diesem Jahr wurde ihm der Freiberger Kunstförderpreis 2009 verliehen. Carpe diem! Ossada nutzt seine Tage, um zu zeigen, wie er die Welt sieht. Er ist ein kritischer, sensibler Geist, der voller Leidenschaft und zupackender Unruhe steckt, dessen ausgeprägter Gerechtigkeitssinn Verhüllungsstrategien nicht duldet. Er stellt Fragen, die ihn mitunter zu einem unbequemen Zeitgenossen machen. Er verdrängt nicht, dass die Zeit Risse bekommen hat und das Wertesystem einer aufgeklärten Gesellschaft implodiert. Blickbegabt für Augenblicke hinter den geschlossenen Lidern, überlässt sich Ossada, der philosophierende Sinnsucher in seinem Arkadien, das er ihn Ehrenberg gefunden hat, seinem konzeptualistischen Kunstansatz, mit dem er gesellschaftskritischen Gedanken, ohne denunzieren zu wollen, konsequent auf der Spur bleibt und somit in metaphorischer Form den Irrungen und Wirrungen und Visionen des homo sapiens sapiens folgt. Die Urkraft des Lebens wird sichtbar in den elementaren Wirkungen von Materialien (Gips, Beton, Steinguss, Holz, Stacheldraht, Eisengeflecht), mit denen er nicht das äußerlich Zufällige sondern das innerlich Wesentliche zu reflektieren sucht. Im Alltag schütteln wir unsere Träume ab, mauern wir Vergangenes ein und glauben damit wahrer, beständiger und unantastbarer zu sein. Wir lassen uns gern manipulieren und verführen, liefern uns der Trägheit der Masse aus und verlieren uns und dann kommt da einer, ein junger und öffnet uns mit seinen Arbeiten - Gedichten, Materialbildern, Skulpturen, Installationen und kulturphilosophischen Essays - ganz unerwartet die Augen, hält uns den Spiegel vor und macht die Erinnerungswand wieder durchlässig. Ossada, der mit der expressiven Kraft von Gegensätzen arbeitet, besitzt auch die Gabe, die Gegensätzlichkeit von Gefühl und Verstand, von Vergangenheit und Gegenwart in der Realität seiner Blickrichtung aufzuheben. Das Eine geht in das Andere über, das Eine bedingt das Andere. Er zeigt unverblümt, dass es in dem Mühsal, das Leben zu bestehen, notwendig ist, um seine Würde zu bewahren, den alltäglichen Verstrickungen und Abhängigkeiten, nicht ohne Widerspruch zu verfallen. Und so widerspiegeln seine Arbeiten das Leben mit seine Unwägbarkeiten und Sehnsüchten, diesen Taumel im Diesseits zwischen Unschuld, Schuld und Märtyrertum. Die unsichtbaren Übergänge zwischen Hoffnung und Schrecken, Versagen und Enttäuschung, zwischen Träumen und brutaler Alltagswelt beschreibt Ossada in seiner jüngsten thematisch-formalen Auseinandersetzung mit dem Titel: „Zwischenräume“. Zwischenräume implizieren Distanz oder Sehnsucht nach Nähe und besitzen demzufolge Klangfarben von Moll bis Dur. „Zwischenräume“ können ängstigen oder beflügeln. Sie bringen Frieden oder sind das Vorzeichen einer Apokalypse. Sie können beschützen oder zerstören. „Zwischenräume“ gebieten Stille, die notwendig ist, um sich seiner selbst zu vergewissern. Stille macht hörbar. Sie sensibilisiert. Still zu sein, ist eine Form von Konzentration. Von Zeit zu Zeit muss man Innehalten, um das eigene Maß zu finden. Stille ist die notwendige Pause, um die Bedeutung von Tönen zu erkennen. „Zwischenräume“ braucht man, um Schmerz zu verarbeiten. Im Dazwischen liebt man oder weint man. „Zwischenräume“ schmerzen, wenn sie mit Einsamkeit einhergehen und einem gewissen Verlorensein. Mit der Erfahrung zweier Gesellschaftsordnungen, relativiert sich vieles. Enttäuscht von der materiell bestimmten, kommerzialisierten Welt, neigt Ossada zu intensiven Fragestellungen nach dem „Woher“ und „Wohin“ der Zivilisation. Die Kenntnis der Mechanismen, die das Werden und Wachsen der Menschen geformt haben, erscheint als die einzig tragfähige Hoffnung für das Verständnis und bewusste Erleben alltäglicher Handlungen, die oft gedankenlos ausgeführt werden, die aber die Gegenwart beeinflussen und die Zukunft bestimmen. Lassen wir den Künstler selbst zu Wort kommen: „Interpretatorische Verweise der Plastiken auf weltpolitische Zerwürfnisse, Werte-Aushöhlung, über psychologische Tiefen, Dunkelräume, bis hin zu gesellschaftlich-demographischen Wandel oder gar Mittelschichtenschwund wären möglich. Nur will ich selbst mit dieser Werkgruppe nicht so weit gehen und den Realbezug dem Betrachter überlassen. Denn ich bin überzeugt, dass er von dieser neuen Perspektive profitieren wird.“ Ossada fand zu fünf Klassifizierungen: Trennung und Verbindung, Auflösung und Streben, Zerstörung und Inhalt, Sehnsucht und Überbrückung, Spannung und Polarisation. Er entwickelte jeweils zwei bis drei Strukturmodelle. Von den entstandenen 27 Objekten, wird mit dieser Ausstellung, mit der die Konzeptarbeit ihren Schlusspunkt findet, eine Auswahl gezeigt, die im begleitenden Werkbuch bildlich und verbal dokumentiert ist. Es handelt sich um die dritte große Konzeptarbeit auf der Basis einer radikalen Zeitanalyse. Grundlage der ersten war die Frage, wie Gesellschaft funktioniert, mit der zweiten näherte sich der Künstler den Wesenszügen des Menschen und nun definiert er die Zwischenräume, zwischen Freiheit und Prägung, in denen wir uns bewegen. Die Objekte sind minimalistisch angelegt mit Kontrapunktionen, mit dynamischen Bezügen untereinander und faszinierenden Durch- und Anblicken, mit einem großen Assoziationspotential, was durch die strukturierte Oberflächenmaterialität noch verstärkt wird. Man denkt an gesellschaftliche Auswüchse, menschliche Unterlassungen, Ab- und Ausgrenzung, denkt an Träume und Sehnsüchte, an Tag und Nacht, an Mann und Frau, an Leben und Tod. Hier in der Arbeit verschmelzen das ICH und das DU zu einem kraftvollen WIR. Eine Utopie? Es liegt ganz in Ihrer Hand!"]
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